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Der Heilkreis

Der Heilkreis ist eine Aufstellungsform für Menschen, die in die Aufstellungsarbeit mit der Bewegung der Seele eingeführt sind. Er ermöglicht, eigene Anliegen in Richtung einer Lösung zu bringen. Ein wesentliches Merkmal des Heilkreises ist: die gesamte Gruppe ist Resonanzkörper von Anliegen und unterstützt sich gegenseitig.

Der Heilkreis arbeitet mit den Bewegungen der Seele. Die Mitwirkenden des Heilkreises vertrauen auf die sich zeigenden Bewegungen. Diese können sich körperlich, emotional und/oder sprachlich ausdrücken. Heilkreisarbeit ist ein Prozess in/aus der Stille.

Heilkreise treffen sich, um Anliegen mit gegenseitiger Unterstützung aufzustellen. Die Leitung der Aufstellung obliegt nicht einem Leiter sondern der gesamten Gruppe. Alle Gruppenmitglieder sind gleichberechtigt, jeder dient dem anderen. Der Heilkreis, die Gruppe als Ganzes, vertraut im gesamten Prozess auf die sich zeigenden Lösungen. Grundlage hierfür ist die Hingabe und das Zustimmen in einer Grundhaltung der Achtsamkeit und Absichtslosigkeit für die Bewegungen, die sich offenbaren.

 

Anwendung

Der Heilkreis eignet sich für Aufstellertreffen und Inter/Supervisions-gruppen. Überall dort, wo neben professioneller Reflexion und Fortbildung, eigenen Anliegen einen Platz gegeben werden möchten, kann der Heilkreis Anwendung finden.

Während einer Veranstaltung mit 100 Personen könnten z.B. in einer Zeit von zwei Stunden 10 Heilkreise á 10 Personen gebildet werden. In dieser Zeit können pro Gruppe drei bis vier Aufstellungen vollzogen werden. Das bedeutet, dass ca. 35 -40 persönlichen Anliegen parallel in Eigenkompetenz mit geringem Zeitaufwand Raum gegeben werden kann.

 

Der Ablauf

Eine Gruppe von z.B. 5-20 Personen setzt sich im Kreis, dem Heilkreis zusammen. Die Gruppe bestimmt für jeweils eine Aufstellung eine/n KreiswächterIn und eine/n ZeitwächterIn.


Die Aufgabe des Kreiswächters:

Der Kreiswächter achtet darauf, dass ein Kreis gebildet ist. Er kann die Gruppe mit einer kleinen Meditation oder einer anderen Achtsamkeitsübung einstimmen. Unter der Moderation des Kreiswächters sammelt die Gruppe die Anliegen und entscheidet gemeinsam aus der Stille heraus, welches Anliegen zuerst aufgestellt wird. Einigt sich die Gruppe nicht, entscheidet der Kreiswächter, wessen Anliegen zur Aufstellung kommt. An dieser Stelle ist die Aufgabe des Kreiswächters beendet.

Der Aufstellende trägt nun sein Anliegen vor und wählt eine Variante aus mehreren Möglichkeiten, das Aufstellungsgeschehen zu beginnen, z.B.

  • Aus dem formulierten (oder nur nach innen formulierten) Anliegen heraus lassen sich Einzelne aus dem Kreis erfassen...

  • Der Aufstellende formuliert, in welcher Art und Weise er seine Aufstellung durchgeführt haben möchte, so z.B. mit gezielt ausgewählten Vertretern für sein Anliegen, mit Eigenbeteiligung oder ohne, mit zusätzlicher Gruppenresonanz oder ohne.



Die Aufgabe des Zeitwächters:

In der Regel kommt die aufgerufene Bewegung aus sich heraus an einen Punkt, an dem alle spüren, dass die Aufstellung zu Ende ist. Ist dies nicht der Fall, entscheidet der Zeitwächter, wann die Aufstellung beendet oder abgebrochen wird. Er oder sie achtet ebenso darauf, dass der Aufstellende nicht retraumatisiert wird.

Die Entscheidungen des Kreiswächters und des Zeitwächters werden im Heilkreis angenommen.

Nachdem die Aufstellung beendet ist, entscheidet der Aufstellende, ob er aus den Vertretungspositionen Erfahrenes hören möchte. Der Heilkreis öffnet sich anschließend für eine neue Aufstellung, die damit beginnt, wieder einen Wächter des Kreises und einen Zeitwächter zu bestimmen.

Harald Homberger